Eva und die Schafe
Nach der Diagnose Darmkrebs und einer größeren Operation im Frühsommer 2022 habe ich mich bewusst gegen eine onkologische Reha entschieden – und stattdessen für die Genesung auf der benachbarten Streuobstwiese.
Dort lag ich auf meiner Gartenliege unter dem blühenden Apfelbaum, lauschte den Bienen, spürte die Sonne, atmete… und kam zur Ruhe.
Eines Tages kamen die Schafe eines Schäfers „zum Mähen“ auf die Wiese. Tag für Tag verbrachten wir Zeit miteinander. Anfangs noch vorsichtig, wurden sie mit jedem Tag vertrauter. Irgendwann schien es, als würden sie denken: „Die sieht zwar komisch aus, aber irgendwie gehört sie zu uns.“
Im Juni 2022 wurde dann überraschend ein kleines Lamm geboren – mein „Lämmchen Johann“. Wir verbrachten viel Zeit auf der Gartenliege, genossen den Sommer – und mit der Zeit wuchs das Vertrauen und die Zuneigung der ganzen Herde.
Ich begann, dem Schäfer beim Scheren, Klauenschneiden und anderen Arbeiten zu helfen. Ein Jahr später hatte ich den Mut, die kleine Herde zu übernehmen. Heute bin ich darüber unendlich froh.
Denn die Schafe haben mir nicht nur in der Zeit der Genesung geholfen, sondern auch eine große Portion Glück in mein Leben gebracht.
Von Haus aus bin ich Musikpädagogin und habe viele Jahre an Musikschulen mit Kindern und Erwachsenen gearbeitet. Später zog es mich stärker in den frühkindlichen Bereich: Sieben Jahre lang war ich im Musikkindergarten Hamburg tätig – als Bezugserzieherin und musikalische Leitung.
In dieser Zeit habe ich zahlreiche pädagogische Fortbildungen besucht, unter anderem die Weiterbildung zur Fachkraft für psychopädagogische Kindertherapie am systemisch-therapeutischen Institut bei Corinna Scherwarth. Diese Erfahrung hat meine Haltung gegenüber Menschen nachhaltig geprägt.
Heute arbeite ich als Projektmanagerin und freiberufliche Dozentin in ganz Deutschland. Ich gebe Fortbildungen zum Thema Musik in der Kita und begleite pädagogische Fachkräfte in ihrer Arbeit mit Kindern.
Mir ist besonders wichtig, Lernen und Entspannung zu verbinden. Ob in Seminaren, Workshops oder persönlichen Begegnungen – ich möchte Räume gestalten, in denen Menschen sich entfalten und neue Impulse aufnehmen können.
Aktuell schließe ich meine Weiterbildung zur Fachkraft für Tiergestützte Intervention an der Europäischen Akademie (EAG-FPI) in Hückeswagen ab. Darauf aufbauend werde ich weitere Module der Tiergestützten Therapie anschließen.
Seit vielen Jahren beschäftige ich mich außerdem mit Meditation und Spiritualität. Mehrere Jahre habe ich Zen-Meditation praktiziert. Heute versuche ich, diese Haltung in meinen Alltag zu integrieren – in meiner Arbeit, im Kontakt mit den Schafen und in der Begegnung mit Menschen.
Mich inspirieren dabei auch Gedanken und Erfahrungen des Non-Dualismus, die das Einssein allen Lebens betonen.
Musik, Natur, Tiere und Stille sind für mich Wege, Menschen zu berühren und Räume für Verbundenheit zu öffnen…
Farm animals are far more aware and intelligent than we ever imagined. They are individual beings in their own right. As such, they deserve our respect.
Jane Goodall
Die Schafe leben seit mehreren Jahren in dieser kleinen Herde bei mir. Sie bleiben hier, bis sie eines natürlichen Todes sterben. Ich züchte nicht – und es werden auch keine Lämmer geboren. Ich habe die Schafe aus einer Zucht übernommen und ihnen ein Für-Immer-Zuhause gegeben.
Seit ich mit den Schafen zusammen bin, ernähre ich mich rein pflanzlich. Das gehört für mich zu einem respektvollen Umgang mit Tieren dazu.
Auf der Weide geht es um Begegnung auf Augenhöhe zwischen Mensch und Tier.
Die Schafe haben jederzeit die Freiheit, selbst zu entscheiden, ob sie den Kontakt zu Besucher:innen suchen oder nicht. Es gibt also keine Garantie, dass sie zum „Kuscheln“ kommen – meist aber sind sie offen, aufmerksam und interessiert.
Meine Begegnungsweide ist ein Ort, an dem Schafe nicht als sogenannte „Nutztiere“ gesehen werden, sondern als eigenständige, wertvolle Persönlichkeiten.
Ein Ort des Lebens – für die Schafe, für mich und für alle, die hierherkommen.
Auf meiner Begegnungsweide leben acht Schafe: Lilly mit Tochter Kamilla, Tamara mit Tochter Nibbel, Moni mit Sohn „Lämmchen“ (Johann), Barbara und Lulu.
Vier von ihnen sind hier auf der Weide geboren – ich kenne sie also seit ihrer Ge-burt.
Jedes Schaf hat seinen eigenen Charakter, seine eigene Persönlichkeit und eine ganz eigene Art, Kontakt zu Menschen aufzunehmen. Manche sind neugierig und kommen sofort, andere beobachten lieber erst aus der Entfernung.
Die Empfindsame
Die Zarte
Die Innige
Die Behutsame
Die Leidenschaftliche
Der sanfte Riese
Die Kraftvolle
Die Ruhige